Eifersucht:

Ein unterschätztes Gefühl

Bild: Annie Spratt/Unsplash Bild: Annie Spratt/Unsplash

Kaum ein Gefühl hat einen so schlechten Ruf wie die Eifersucht. Sie gilt als kleinlich, toxisch, unmodern, ein Relikt besitzergreifender Liebeskonzepte, das in aufgeklärten Beziehungen wenig zu suchen habe. Dabei ist Eifersucht eines der ältesten und stabilsten Prinzipien der Liebe überhaupt und manche Forschung indiziert, dass sie die oft vermisste Spannung in Beziehungen erhält. Der Vortrag nimmt die Eifersucht ernst und diskutiert sie als Defitzit mit zerstörerischer Kraft, aber auch als Ressource; als Kompass, der uns verrät, wen wir (noch) wollen und wo Grenzen und Verletzlichkeiten liegen.

Was bedeutet Eifersucht in einer Zeit, in der sich Beziehungsformen pluralisieren? Wie lässt sich mit compersion (Mitfreude) umgehen, wenn der Bauch etwas anderes sagt als der Kopf?

Und dann beleuchten wir das Smartphone als beteiligte Größe aller moderner Beziehungen. Das Artefakt, das beim Date vibrierend stört, im Bett zwischen zwei Menschen liegt und bei vielen Eifersucht und Konflikt auslöst. Wir schauen uns an, was im Handy passiert: Darf man ruhig eine aktive Dating-App haben? Ist Flammenemojicons bei Fitnessinfluencern setzen kritisch? Sind Bikinibilder der Partnerin ein Grund, stolz zu sein, oder ein Grund zur Sorge? Und final stellt sich die Gretchenfrage: Darf die Partnerperson im Handy mitlesen oder ist das privat? Derlei Fragen sind vor allem post-affair drängend; nach dem Vertrauensbruch, wenn Vertrauen über Kontrolle hergestellt werden soll.

Es erwartet Sie ein Vortrag der aktuelle Wissenschaft entlang greifbarere paartherapeutischer Praxisbeispiele erzählt, das dilemmatabehafetet an Liebe, Genuss und Schmerz zentral stellt und die Eifersucht befragt, bevor sie verurteilt wird.

Vortrag und Diskussion. Ohne Anmeldung. Eintritt frei.

Ein Angebot der Paar-, Ehe- und Sexualberatung im Rahmen der Frankfurter Paartage 2026

WEITERE INFORMATIONEN

  • TERMIN:
  • Dienstag, 10.11.2026, 19:00 - 20:30 Uhr

  • ORT:
  • Haus am Dom

    Domplatz 3, 60311 Frankfurt

  • REFERENTIN:
  • Johanna L. Degen, Dr. phil. ist Sozialpsychologin sowie systemische und integrative Paar- und Sexualtherapeutin. Sie forscht und lehrt an der Europa-Universität Flensburg und ist Autorin mehrerer Veröffentlichungen, darunter „Swipe, Like, Love“ sowie Host des Podcasts „Liebeslabor“. 

  • VERANSTALTERIN:
  • Die Frankfurter Paartage sind eine Veranstaltungsreihe der Paar-, Ehe- und Sexualberatung des Haus der Volksarbeit

    Frankfurter Paartage 2026